Online-Konferenz
15. September 2021

Do you put your Assets at Stake(ing)? – Steuerliche Behandlung von Staking

Kryptowährungen wie der Bitcoin, aber auch Ether finden immer mehr Anklang im Alltag. Dies führt nicht nur dazu, dass die Anzahl der Geschäftsmodelle im Krypto-Bereich steigt sowie Zahlungen vermehrt in Kryptowährungen akzeptiert werden, sondern auch dazu, dass neue Thematiken in das Interesse der Allgemeinheit gelangen. So ist beispielsweise zu erkennen, dass sich immer mehr Leute mit dem Thema Staking befassen.

Staking ist eine Form Transaktionen zu validieren. Dafür sperren Teilnehmer der Blockchain ihre Coins für eine gewisse Zeit und stellen diese dem Netzwerk zur Verfügung, um Transaktionen und damit Blöcke in der Blockchain zu validieren. Im Gegenzug erhalten die Personen, die ihre Coins gestakt haben, weitere Coins als Belohnung. Anzumerken ist zudem: Je mehr Coins zum Staking bereitgestellt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auch für das Staking ausgewählt zu werden. Allerdings sind die für das Staking zur Verfügung gestellten Coins meistens gesperrt und können bis zum Ablauf einer bestimmten Zeitperiode nicht verkauft werden. Doch was bedeutet dies steuerlich?

Staking zeigt Parallelen zu einem Sparbuch oder zu einem Darlehensvertrag auf. Ersteres ist der Fall, wenn die Coins tatsächlich auf dem Wallet des Staking-Betreibers verbleiben, zweiteres wenn diese für das Staking auf eine andere Wallet transferiert werden. Dies wird beispielweise im Falle von Pooling verfolgt: Hierbei werden die einzelnen für das Staking zur Verfügung zu stellenden Coins auf einer Wallet gesammelt bzw. gepoolt, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen für das Staking gewählt zu werden und dadurch die entsprechenden Belohnungen einzutreiben. Unerheblich ob Pooling betrieben wird oder nicht, werden Belohnungen für das zur Verfügungstellen oder Hinterlegen von Coins ausgeschüttet. Betrachtet man dies aus der Perspektive eines Sparbuches oder Darlehensvertrages würde diese Belohnungen erhaltene Zinsen darstellen. Dementsprechend sind Einnahmen, die auf der Basis von Staking erhaltenen wurden, als Zinserträge anzusehen und müssen versteuert werden.

Für die Länder Liechtenstein, Schweiz und Deutschland entstehen dementsprechend folgende steuerlichen Folgen: In Liechtenstein und in der Schweiz existiert die Vermögenssteuer. Aus diesem Grund wird in Liechtenstein mit Blick auf den Anfang des Steuerjahres, in der Schweiz mit Blick auf das Ende des Steuerjahres bei natürlichen Personen Vermögenssteuer auf das zum Staking überlassende Kapital berechnet. Die Staking Erträge sind jedoch bei natürlichen Personen in Liechtenstein steuerfrei, sofern sie schon über die Vermögenssteuer besteuert wurden. Bei juristischen Personen sind sie mit einem Steuersatz von 12,5% zu versteuern. Im Gegensatz zu Liechtenstein werden in der Schweiz die Einkünfte aus Staking auch auf Ebene der natürlichen Personen über die auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene zu dem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig, der jedoch von Kanton und Gemeinde abhängt. Genauso hängen die beim Staking anfallenden Kapitalsteuern und Erwerbssteuern von Kanton und Gemeinde ab.

In Deutschland existiert dagegen keine Vermögenssteuer, dafür müssen die Staking-Erträge aber im Rahmen der Einkommens-, Körperschafts- oder Gewerbesteuer versteuert werden. Bei natürlichen Personen führt dies zu einem Steuersatz von bis zu 45%. Der konkrete Steuersatz hängt jedoch von dem entsprechenden persönlichen Steuersatz des Steuerpflichtigen ab. Neben den natürlichen Personen, sind auch die juristischen Personen zu betrachten: Bei juristischen Personen fällt in Deutschland ein Steuersatz von 15% Körperschaftssteuer plus circa 15% Gewerbesteuer an.

Bei Betrachtung der steuerlichen Folgen von Staking in Deutschland ergibt sich zudem die Fragestellung, ob sich durch den unterjährigen Erhalt von Erträgen die Spekulationsfrist in Deutschland erhöht. Hintergrund ist, dass wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräusserung eines Wirtschaftsguts mehr als 1 Jahr beträgt, der aus der Veräusserung generierte Gewinn steuerfrei ist. Ansonsten ist der Gewinn zu versteuern. Wurden aus dem Wirtschaftsgut jedoch in mindestens einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt, erhöht sich dieser Zeitraum von einem auf zehn Jahre. Da jedoch die Staking Erträge, analog die Zinsen, aus der Darlehensvergabe oder Nutzung des Sparbuches und nicht aus dem Wirtschaftsgut, dem Token oder Coin, selbst resultieren, wird die Auffassung vertreten, dass sich die Spekulationsfrist nicht erhöht. Als ein weiterer Anhaltspunkt ist im Falle des Poolings, analog des Darlehensvertrages, festzuhalten, dass nicht sichergestellt ist, ob genau das gleiche Wirtschaftsgut überhaupt zurückerhalten wird und damit wiederum nicht gewährleistet ist, dass die Staking Einkünfte auch aus dem ursprünglich gehaltenen Wirtschaftsgut resultieren.

Festzuhalten ist demnach, dass Erträge aus Staking analog zu Zinserträgen für die zur Verfügungstellung von Liquidität, wie beispielsweise bei einem Sparbuch oder Darlehen, versteuert werden müssen.

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